Ruhr Veliler Birliği - ELTERNVEREIN RUHR e.V.
  Zehn-Punkte-Plan...
 

Dr. Ali Sak

NRW- Initiative „Türkisch“

 

Zehn-Punkte-Plan

zur Förderung von Migrantenkindern.

 

I. Akzeptanz und Förderung der Muttersprachen von Migranten.

 

Begründung: Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Förderung der Muttersprache das Erlernen von weiteren Sprachen fördert. Umgekehrt führt eine Vernachlässigung der Muttersprache, die ohnehin im Elternhaus gesprochen aber nicht strukturell gefördert wird, zu nachteiligen Ergebnissen für die kognitive, emotionale und sprachliche Entwicklung des Kindes. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die verbesserte Versorgung von Migranten mit Muttersprachlichem Unterricht (MSU), deren schulische Erfolg  nachhaltig positiv beeinflusst.

 

Vorgehen:

1.Politische und gesellschaftliche Akzeptanz der Herkunfts-
   sprachen

2. Institutionelle Förderung der Herkunftssprachen

3. Erhöhung des Angebotes an MSU

4. Eingliederung des MSU in den regulären Schulalltag

5. Steigerung der Relevanz und Verbesserung der Qualität des
    MSU-Unterrichtes

5. Fortlaufende Qualifizierung der MSU-Lehrer

6. Ausbildung neuer Lehrer für MSU und Türkisch als Fremd-
     sprache

 

 

 

II. Erhöhung des Anteils von Lehrern mit Migrationshintergrund.

 

Begründung: Die Erhöhung des Anteils an Lehrkräften mit Migrationshintergrund ermöglicht ein verbessertes soziales Klima und Akzeptanz der Institution Schule durch Migranten.

Vorgehen: Gezielte Werbung für das Lehramt bei Abiturienten mit Migrationshintergrund.

 

III. Soweit möglich keine Sonderklassen für Migrantenkinder in der Grundschule.

 

Begründung: Die Einrichtung von Sonderklassen fördert nicht das Erlernen der deutschen Sprache; vielmehr führt es zur Ausgrenzung, die eine schulische Integration nachteilig beeinflusst.

Vorgehen: Kinder mit Migrationshintergrund und deutsche Kinder sollten in einer vernünftigen Mischkonstellation unterrichtet werden. Das Motto sollte nicht Trennung, sondern Zusammenführung sein.

 

IV. Drastische Einschränkung der Möglichkeit, Migranten in Förderschulen für Lernbehinderte zu schicken.

 

Begründung: Häufig ist das einzige Kriterium der Überweisung in sonderpädagogische Einrichtungen sprachliche und keine Lerndefizite.

Vorgehen: Kinder mit nachweislichen sprachlichen Defiziten sollten durch zusätzliche sprachliche Förderangebote durch Lehrer/innen mit Kenntnissen in interkultureller Erziehungspädagogik gefördert werden.

 

 

V. Frühzeitige und auf mindestens 4 Jahre angelegte Förderung des Spracherwerbs in Deutsch.

 

Begründung: Spracherwerbsforschungen zeigen, dass die Dauer und der Zeitpunkt der Sprachförderung den Aufbau von Sprachregionen im Gehirn stark positiv beeinflussen.

Vorgehen: Es sollte eine frühzeitige Förderung des Zweitspracherwerbes im Vorschulalter schon vor dem 5.Lebensjahr beginnen. Die Förderung des Zweitspracherwerbes sollte nicht zum Nachteil der Primärsprache sein. Vielmehr sollten die Kinder in beiden Sprachen gefördert werden. Eine einseitige Förderung der „Zweitsprache“ ohne Berücksichtigung, ja sogar Vernachlässigung der Muttersprache führt zu defizienter Sprachentwicklung, mit dem Resultat des Kompetenzverlustes in beiden Sprachen. Daher sollte die frühzeitige Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit das Ziel sein.

 

VI. Verstärkte Kooperation mit Migrantenvereinen bei der Planung und Realisierung von Förderprogrammen für Migranten.

 

Begründung: Die bisherigen Angebote an Förderprogrammen lassen zumeist eine gezielte Förderung vermissen. Vielmehr werden die Förderprogramme nach einem Gießkannenprinzip ausgelegt. Es fehlen Konzepte, die den Erfordernissen und kulturellen Gegebenheiten von Kindern mit Migrationshintergrund Rechnung tragen.

Vorgehen: Um die Kontinuität der Förderung sicherzustellen und den Erfordernissen der zu fördernden Gruppen Rechnung zu tragen, ist eine Zusammenarbeit der Grundschule, der weiterführenden Schulen, der außerschulischen Fördereinrichtungen, Eltern und der Zuwanderervereine sinnvoll.

VII. Einführung und Ausweitung von Sprach- und Bildungskursen für die Eltern bzw. Mütter von Migrantenkindern.

 

Begründung: Die Einbeziehung der Eltern, insbesondere die der Mütter in das Lern- bzw. Bildungsprogramm hat einen starken Einfluss auf die Förderung von Migrantenkindern.

 

Vorgehen: Einrichtung und Förderung von Förderprogrammen mit gezielter inhaltlicher Ausrichtung für die Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund.

 

VIII. Nachmittägliche Angebote von Sprach-, Nachhilfe- und Hausaufgabenkursen für Migrantenkinder durch Studenten mit Migrationshintergrund.

 

Begründung: Migrantenkinder gehören zu den sozial Schwächsten in einer Gesellschaft. Daher ist eine gezielte Förderung dieser Gruppe dringend notwendig.

 

Vorgehen: In dieser Hinsicht ist die Kompetenz von Studenten mit Migrationshintergrund nach unseren bisherigen Erfahrungen als für sehr gut einzuschätzen. Dieses Potential sollte in zweierlei Hinsicht effektiv genutzt werden. Zum einen wird dies ein Einstieg für einige Studenten sein mit Migrantenkindern zu arbeiten und zum anderen führt dies zu einer Steigerung des Selbstwertgefühles von ohnehin sozial benachteiligten Migrantenkindern.

 

 

 

 

 

IX. Anreize für Lehrer/innen schaffen die in sozialen Brennpunkten mit Migrantenkindern arbeiten.

 

Begründung: Die Arbeit mit Migrantenkindern erfordert besondere Kenntnisse, Erfahrungen und persönliches Engagement. Daher sollte dieses Engagement durch zusätzliche Anreize gefördert werden. Nur so ist es möglich engagierte Lehrer/innen für die doch mühsamere Arbeit mit Migrantenkindern zu gewinnen.

 

Vorgehen: Als Anreize wären hier denkbar: zusätzliche Gratifikationen, schnellere Eingruppierung in höhere Besoldungsgruppen und bessere Aufstiegsmöglichkeiten.

 

X. Regelmäßige Evaluation der Schulen in sozialen Brennpunkten, bezüglich Erfolg und Misserfolg in deren Arbeit mit Migrantenkindern.

 

Begründung: Für den Erfolg und Misserfolg von Migrantenkindern sind letztendlich die Institutionen, insbesondere die Schulen verantwortlich. Es liegt allein in der Kompetenz der Schulleitung und dem Engagement der Lehrer/innen, sowie deren Willen zur Zusammenarbeit mit den Eltern und Migrantenvereinigungen.

 

Vorgehen: Die Schulen in sozialen Brennpunkten sollten regelmäßig bezüglich Ihrer Arbeit mit Migrantenkkindern evaluiert werden. Ausgewählte Migrantenvereine, die sich explizit mit Bildungsmaßnahmen beschäftigen, sollten an diesen Evaluationsprogrammen teilnehmen um spezifische Sachverhalte von Schülern mit Migrationshintergrund besser einschätzen zu können.

 

 
 
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